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Schwere Lasten zu Fuß: Wir bauen einen Handwagen

Bald ziehen wir zusammen in eine WG - zwar nicht in das Haus, welches wir als Hausprojektinitiative kaufen wollen, aber in eine WG, in der wir in unserer bisherigen Zusammensetzung wohnen wollen. Aber wie bekommt man einen klima- und umweltschonenden Umzug hin, indem man auf Kraftfahrzeuge verzichtet? Immerhin müssen ja auch schwere Möbel transportiert werden. Für diesen Zweck haben wir uns von dem neusten Artikel von LowTech Magazine inspriereren lassen, in dem die Anwendung eines Handwagens beschrieben wird, mit dem der Autor Kris de Decker seinen Umzug innerhalb Barcelonas gemeistert hat.

Der Bau

Wir haben uns mit Unterstützer*innen für ein Bauwochenende getroffen und dort an unserem Handwagen getüftelt. Dabei haben wir uns an den Bildern des genannten Artikels orientiert und einige Abwandlungen vorgenommen, die den Bau für uns vereinfachten. Wir hatten nämlich keinerlei Elektro- oder Druckluftwerkzeuge, es musste die eigene Muskelkraft herhalten. Wir haben alle Holzverbindungen über Schrauben hergestellt und keinerlei Leim verwendet, um Reparaturen zu vereinfachen und nach dem Herausnehmen der Schrauben eine volle Kompostierbarkeit der Baumaterialien zu gewährleisten.

Am ersten Tag haben wir eine 200 x 84 cm Ladefläche gebaut, bestehend aus zwei langen seitlichen Leisten, fünf Querverbindungen und dünenn langen Leisten, die die Ladefläche auskleiden.

Danach haben wir 27,5 Zoll Fahrradreifen angebracht, indem wir 14 mm Metallrohre als Achse an die Mittlere Holzleiste geschraubt haben. Die Räder konnten einfach auf die Stahlrohre gesteckt werden. Für den Griff haben wir schmale Rundhölzer mit Metallrohren verstärkt und seitlich mit einem Winkel an der Ladefläche montiert. Der Griff hat diese beiden Rundhölzer verbunden. Später zeigte sich, dass die vier Schrauben, die diese Konstruktion mit der Ladefläche verbanden, die Kraftübertragung auf Dauer nicht aushielten. Den Griff werden wir also nochmal umbauen und die Verbindung zur Ladefläche wahrscheinlich nicht seitlich sondern vorne am Wagen montieren.

Den Wagen behandeln wir mit Leinöl, um ihn wetterfester zu machen. Der Nachteil an Leinöl ist, dass die Polymerisation recht lange dauert, aber auch hier überwog unser Ziel Kompostierbarkeit zu gewährleisten. Dieser Schritt ist also noch nicht abgeschlossen.

Die erste Fahrt

Wir haben gleich mit einem Härtetest angefangen und mit dem Handwagen einen 45 kg schweren Herd über 3 km durch die Stadt transportiert. Das Beladen war nervenaufreibend und die Fahrt hat von allen hohe Konzentration erfordert. Wir denken, dass es mit ein bisschen mehr Übung enstpannter wird, den Wagen zu balancieren.

Mit einem Handwagen kann und muss man die Fahrbahn nutzen, wenn man auf dem Gehweg Fußgänger*innen damit behindern würde. Außerdem darf man einen Handwagen auf öffentlichen Parkplätzen parken, wenn kein Parkschein oder Ausweis erforderlich ist. Von diesem Recht machen wir gebrauch. Wir sehen in Handwägen deshalb auch das Potential eine Graswurzel-Mobilitätswende zu bestärken. Die Platznahme, die sonst durch Autos geschieht, kann über Handwagen nämlich auch mit emissionsfreien Fahrzeugen geschehen.

Natürlich ist unser Handwagen aber ein Gebrauchsgegenstand und wir verfolgen mit ihm nicht das primäre Ziel Parkplätze zu blockieren. Deshalb wollen wir, dass der Wagen möglichst viel genutzt wird. Schreibt uns, wenn ihr den Handwagen in Göttingen ausleihen wollt, wir wollen es ermöglichen.